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Telemedizinische Mitbetreuung

Vor dem Hintergrund des demographischen Wandels und den hohen Kosten stationärer Betreuung, ergibt sich, als neues Betreuungsziel, den Anteil der Patienten, die ambulant betreut werden können, zu steigern.
Seit zehn Jahren spielt hierbei Telemedizin eine große Rolle. Der Grundgedanke besteht darin, dass durch die Übertragung von Vitalparametern eine frühe Dekompensation im Sinne eines Frühwarnsystems rechtzeitig erkannt wird und gegebenenfalls noch ambulant betreut werden kann (siehe Abbildung).

Rationale telemedizinischer Mitbetreuung – Diskrepanz zwischen objektiver Verschlechterung und subjektiver Wahrnehmung

Aktuelle klinische Studien (TEHAF, TIM-HF, CHAMPION, TELE-HF) haben gezeigt, dass Telemedizin ein sinnvolles Instrument der Patientenführung für Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz in einem bestimmten Stadium der Erkrankung und für eine bestimmte Dauer ist. Es gibt jedoch derzeit keine Hinweise für eine Vorteilhaftigkeit einer lebenslangen telemedizinischen Mitbetreuung.
Das Ereignis einer kardialen Dekompensation definiert den Bedarf einer telemedizinischen Mitbetreuung für mindestens die nächsten zwölf Monate. Dies betrifft in Deutschland etwa 150.000 bis 200.000 Patienten jährlich.

Wesentlich ist neben dem eingesetzten Monitorsystem auch die Struktur der telemedizinischen Betreuung durch fachärztliches und fachpflegerisches Personal. Hier spielt insbesondere die Zusammenarbeit mit niedergelassenen Haus- und Fachärzten eine wesentliche Rolle. Telemedizin kann nur dann die positiven Effekte nachweisen, wenn diese nicht in Konkurrenz sondern als Ergänzung der Präsenzmedizin fungiert.

Telemedizinische Mitbetreuung bei FONTANE

Im Rahmen des Projektes „Gesundheitsregion der Zukunft Nordbrandenburg – Fontane“ wurde ein solches telemedizinisches „Frühwarnsystem“ entwickelt, das nun in einer klinischen Studie evaluiert werden soll. Ziel ist die Verbesserung der Betreuung von Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz nach dadurch bedingtem Krankenhausaufenthalt.

Die in der der Studie eingesetzten telemedizinischen Messgeräte bei Patienten (c) Charité – Universitätsmedizin Berlin

Bei den Patienten der Telemedizingruppe werden zuhause eine Waage, ein Blutdruckmessgerät und ein EKG-Messgerät bereitgestellt, mit denen die Patientinnen und Patienten täglich ihre Vitaldaten messen (siehe Abbildung). Diese Messwerte gelangen über Bluetooth zu einer persönlicher Kommunikationsplattform PhysioGate. Anschließend werden die Daten über Mobilfunk in das TMZ der Charité gesendet, wo sie zeitnah ausgewertet werden.

Im TMZ schaut sich fachärztliches und fachpflegerisches Personal die gesendeten Messwerte rund um die Uhr (im 24-Stunden-Betrieb) in einer elektronischen Patientenakte an. In dieser Akte sind neben den täglichen Messwerten, wichtige diagnostische und therapeutische Daten zum Patienten aufgeführt (z.B. Krankheitsgeschichte, Medikation, Laborbefunde). Vor dem Hintergrund dieser individuellen Patientendaten bewertet das medizinische Fachpersonal im TMZ die Messwerte.

Bei Auffälligkeiten wird sofort reagiert und entsprechende Maßnahmen koordiniert): Kontaktaufnahme mit den Patientinnen und Patienten (Einleitung symptomorientierter Maßnahmen einschließlich Anpassung der medikamentösen Therapie), Empfehlung zur Vorstellung beim Hausarzt oder Kardiologen, Alarmierung eines Rettungswagens im Notfall. Zusätzliche Sicherheit bietet das Notfallhandy, das einen sofortigen direkten Kontakt zum medizinischen Personal im TMZ ermöglicht.

Die nachfolgende Abbildung gibt einen Überblick über das gesamte Mitbetreuungsmodell:

Das System der telemedizinischen Mitbetreuung im Fontane-ProjektDas System der telemedizinischen Mitbetreuung im Fontane-Projekt

Die Bundesregierung stellt in einem Video das Mitbetreuungsmodell vor.